Klone, erhebt euch!

Drei Rollen für einen Schauspieler



Ein Blick in eine nicht allzu ferne Zukunft – drei Rollen für einen Schauspieler. Die Hauptfigur, als Klon eines arbeitsscheuen Textilfabrikanten zum perfekten Stellvertreter zurechtgestutzt, fürchtet, «lebendigen Leibes zum Zombie» zu werden. Am Kongress der Klon-Gewerkschaft hört der Büro-Klon die Brandrede des Präsidenten Kony, die ihn ermutigt zu rebellieren: «Klone, erhebt euch! … Lebt echt! … Unser Ziel: die Andern unterwandern!» Doch inzwischen hat sein «Anderer» beschlossen, den Klon sterben zu lassen, um nach dem Konkurs seiner Firma einen Selbstmord vorzutäuschen und inkognito ins Ausland zu verschwinden. Fast gelingt sein hinterhältiger Plan – wäre nicht die grünäugige Clotilda gewesen …

Die turbulente Geschichte entwickelt sich zum Krimi, der mit der Verwischung der Identität spielt und verschiedene Aspekte des Klonens von Menschen zeigt. Zivilisationskritik, in leichtfüssig-komödiantischer Weise geübt.

Uraufführung: Kellertheater Winterthur, 9. Januar 1999.

Darsteller: Oscar Bingisser
Regie und Bühnenbild: Albert Michel Bosshard
Musik (Synthesizer): Oliver Golob

Photo zum Stück

Oscar Bingisser als Klon in Klone, erhebt euch!, Kellertheater Winterthur, 1999. (Photos: A. M. Bosshard)

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Klone Produktionsteam

Von links nach rechts: Oscar Bingisser (Darsteller), Oliver Golob (Musik: Synthesizer), Irène Bourquin (Autorin) und A. M. Bosshard (Regie und Bühne) im Bühnenbild von Klone, erhebt euch!

Rezensionen

In «Klone, erhebt euch!», ihrem ersten Stück, spielt Irène Bourquin auf amüsante Weise die Mechanismen einer Gesellschaft durch, in der sich die Sklaverei durch die Hintertüre des medizinisch-technischen Fortschritts eingeschlichen hat. [ … ]
Der Mensch der Zukunft hat mehrere Leben und mehrere Leiber, dem Klonen sei Dank. Das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten [ … ] Das «futuristische» Thema hat der Autorin auch neuartige dramaturgische Verstrickungen vorgegeben: Sind mehrere Klone auch mehrere Identitäten, mehrere eigenständige Persönlichkeiten, oder sind sie nur zusammengenommen vollständig und ganz? Im Kellertheater agiert ein einziger Schauspieler und ist doch drei. [ … ]
Die verdichtende Knappheit des Monologs [ … ] stellt manchmal fast zu hohe Forderungen an den Zuschauer. Die Anforderungen an den Darsteller sind ebenfalls beträchtlich. In Sekundenschnelle muss er einen ganz ähnlichen anderen spielen. [ … ]
Irène Bourquins Vision einer Gesellschaft, die «dank» der Klonbarkeit des Menschen in sozialer und ethischer Hinsicht in archaische Zustände zurückfällt, ermöglicht die ziemlich gruselige Erkenntnis, dass man sogar Menschen, die mit einem selbst identisch sind, zu Knechten, Sklaven und schliesslich zu Objekten zu degradieren bereit sein könnte. Die moderne Medizin, die heute so viel in die Erhaltung des Einzelnen investiert, würde demnach durch die Klon-Technologie zu einem Wendepunkt kommen, an dem der reproduzierbare Mensch schlagartig entwertet würde. Die Autorin führt uns vor Augen, wie so ein System zur Selbstzerstörung neigt. [ … ] Wenn Irène Bourquin daran gelegen war, einem das Klonen seiner selbst zu vermiesen, ist ihr das bestens gelungen.

Tobias Hoffmann in: Der Landbote, 11. 1. 1999

Achtzehn kurze Szenen entwickeln diesen verwirrlichen, kriminalkomödiantischen Plot. Der Monolog ist auf drei Rollen verteilt: den «Echten», den Klon und den Reserveklon, in der Logik des Stücks von einem einzigen Schauspieler zu bewältigen. Oscar Bingisser agiert souverän und vollblütig: Als Büroklon erbleicht er, als arroganter Lebemann erbräunt er, eine eindrückliche Parforceleistung. Auch die Regie von Albert Michel Bosshard setzt die grösstenteils herbeigeredete Handlung gekonnt in Szene.

Monika Burri in: Tages-Anzeiger, 11. 1. 1999

Nicht um die ethische Frage um Sein oder Nichtsein menschlicher Klone, sondern um deren reale Existenz in einer nicht allzu fernen Zukunft geht es in der Uraufführung des Monodramas «Klone, erhebt euch!» von Irène Bourquin im Kellertheater Winterthur.
Angesichts der gentechnischen Reproduzierbarkeit von Lebewesen, von der wohl nicht einmal ein George Orwell in seinen kühnsten Visionen zu träumen gewagt hätte, setzt die Winterthurer Schriftstellerin und Kulturredaktorin Irène Bourquin die Existenz menschlicher Klone als selbstverständlich voraus und zeigt in ihrer ersten dramatischen Arbeit mit verblüffend zwangsläufiger Logik, welche gesellschaftlichen Konflikte im Zusammenleben von originalen Menschen und ihren geklonten Kopien praktisch schon vorprogrammiert sind. [ … ]
Trotz des gruseligen Kriminalfalles, der auch mit einer zarten Love-Story verbunden ist [ … ] beeindruckt das auch an amüsanten Sprachspielereien reiche Stück vor allem durch seine glasklare Vorwegnahme einer denkbaren Zukunftsperspektive.

Sonja Augustin in: Aargauer Zeitung, 11. 1. 1999